Die Stadt der Träumenden Bücher

Ja, ich rede von einem Ort, wo einen das Lesen in den Wahnsinn treiben kann. Wo Bücher verletzen, vergiften, ja, sogar töten können. Nur wer wirklich bereit ist, für die Lektüre dieses Buches derartige Risiken in Kauf zu nehmen, wer bereit ist, sein Leben aufs Spiel zu setzen, um an meiner Geschichte teilzuhaben, der sollte mir zum nächsten Absatz folgen. Allen anderen gratuliere ich zu ihrer feigen, aber gesunden Entscheidung, zurückzubleiben. Macht’s gut, ihr Memmen!

Mit diesen Worten glaubt Hildegunst von Mythenmetz, seine Leser von Anfang an auf “ein winziges Fähnlein von Tollkühnen” reduziert zu haben. Auch das Gedicht vor diesem Warnhinweis ist nicht gerade ermutigend:

In tiefen, kalten, hohlen Räumen
Wo Schatten sich mit Schatten paaren

Das ganze Buch starrt förmlich vor solchen und ähnlichen Beschreibungen. Walter Moers, der hier, wie in vielen anderen Zamonien-Romanen, nur als Übersetzer von Hildegunst fungiert, beschreibt die gesamte Welt mit einer Sprachgewalt, die ich nur von Cornelia Funke kenne. Das Buch ist im Prinzip eine Autobiographie von Hildegunst, die beschreibt, wie er nach Buchhaim, der Stadt der träumenden Bücher gelangt, und dort in den Besitz des blutigen Buches kommt. Sein Dichtpate Danzelot vererbt ihm bei dessen Tod das Manuskript eines unbekannten Autors, den er nach Buchhaim schickte. Hildegunst ist von diesem Werk so beeindruckt, dass er beschließt, diesen Autor zu finden, um von ihm die Dichtkunst zu lernen. Die Suche führt Hildegunst tief in die Katakomben von Buchhaim, über die Bahnen der rostigen Gnome, bis zum Schloss des Schattenkönigs. Das gesamte Buch ist eine Ode an das Lesen und an die Bücher, und jeder, dem Lesen so viel Spaß macht wie mir, ist dringend angehalten, dieses Buch zu lesen.

Link: Herzlich willkommen in Zamonien | Walter Moers.

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