Die Maskenbildnerei

Ein Besuch in der Maskenbildnerei im Anhaltischen Theater Dessau.

Nach einigen Irrwegen in dem komplexen Theatergebäude finden wir die “Herrenmaske”.
Der Bereich besteht aus mehreren hellen, bunten Räumen voller Perücken und, natürlich, Masken. Im größten Raum sitzt eine Reihe von Damen an ihren Tischen, jede mit ihrer Arbeit beschäftigt. Daneben befindet sich eine Art Werkstatt, welche von wandfüllenden Regalen dominiert wird. Diese sind bis an den Rand mit Köpfen gefüllt.

Erst auf den zweiten Blick erkennt man, dass sich dazwischen auch Gipsbinden und verschiedene Materialien wie Holz, aus denen die Köpfe bestehen, befinden. Von hier gelangt man in eine etwas kleinere Kammer, die voller Perücken ist, der Fundus. Man sieht Perücken und Masken für alles und jeden.  Im hinteren Teil des Raumes stehen viele Kisten, die mit “Alte Perücken”, “Barockperücken” und, am aussagekräftigsten, “gute Perücken” beschriftet sind.
Als wir in den Hauptraum treten, werden wir von Katrin Stelter begrüßt, mit der wir einen Interviewtermin haben. Es gibt zwar noch nichts zu der Inszenierung, über die wir später berichten werden, zu sehen, aber wenn wir später wiederkommen, wird durch dieses Interview hoffentlich schon klar sein, wie in der Abteilung gearbeitet wird.

Exclamor: Die erste Frage, die sich viele Leute wohl stellen: was passiert eigentlich in der Maske?

Katrin Stelter: Hier in der Maske werden vor und während der Vorstellung die Darsteller geschminkt für die Rollen, die sie darzustellen haben. Die Maske ist eigentlich die letzte Station, die sie durchlaufen, bevor sie die Bühne betreten und unsere Aufgabe ist es, die Darsteller in ihren Rollen so gut wie möglich zu unterstützen, so dass sie sich möglichst wohl fühlen.

Exclamor: Mit Blick auf den Fundus konnten wir ja sehen, dass die Darsteller nicht nur geschminkt, sondern auch mit Perücken und Masken versehen werden. Werden die Masken hier alle selbst gemacht?

Katrin Stelter: Ja, es wird alles von uns selbst angefertigt – jeder Bart, jede Maske, jede Perücke. Alles, was aufgesetzt oder angeklebt wird, wird von uns selber hergestellt. Wir haben eine Besprechung mit den Ausstattern, die bringen uns ihre Entwürfe, und danach richten wir uns. Da hängt z.B. eine sehr gute Figurine von der “Fledermaus”. Wir geben natürlich auch Ratschläge nach unserer Berufserfahrung, aber wir versuchen schon, den Vorschlägen so gerecht zu werden, wie es sich die Ausstatter vorstellen.

Exclamor: Woher bekommt ihr das Material?

Katrin Stelter: Von verschiedenen Stellen, z.B. von Haarveredelungsfirmen. In Berlin bestellen wir die Schminke und dann gibt es noch andere kleine Firmen, die Haarspray o.Ä. verkaufen.

Exclamor: Wann fängt man denn ungefähr an, die Masken für ein Stück zu machen, du sagtest, da hängt die Figurine zur Fledermaus, das Stück lief doch schon, oder?

Katrin Stelter: Ja, aber ich fand die Figurine so schön, so dass die da immer noch hängt. Meistens haben wir 14 Tage bis drei Wochen Zeit, vom Abgabetermin des Ausstatters bis zur ersten langen Probe. Das ist zwar manchmal nicht so viel, und manchmal wird es sehr sehr knapp, wenn jeder Komparse eine Perücke bekommen soll. Aber bisher haben wir es immer geschafft.

Exclamor: Welche Ausbildung braucht man denn als Maskenbildner?

Katrin Stelter: Die günstigste Variante, das muss ich immer wieder betonen, ist, wenn man eine Friseurausbildung durchschritten hat. Es gibt aber auch eine Ausbildung direkt am Theater. Das bedeutet, dass der praktische Teil der Ausbildung am Theater stattfindet und der theoretische Teil in Berlin in einer Schule. Dort gibt es Blockunterricht. Das sind dann drei Blöcke alle acht Wochen und die Ausbildung dauert 3 Jahre. Mit der Friseurausbildung dauert die Ausbildung länger, nämlich 6 Jahre. Allerdings ist der Friseurberuf nicht mehr vom Gesetzgeber gefordert. Ich halte ihn trotzdem für angebracht, weil viel mit Haaren gearbeitet wird – es wird viel geschnitten und frisiert. Wenn man da einen Fehler macht, hat man ein Problem, Perücken wachsen schließlich nicht einfach nach. Auch muss man manchmal am Haar des Darstellers frisieren. Mit der Friseurausbildung erleichtert man sich die Ausbildung sehr; Frisieren ist auch ein Prüfungsfach.

Exclamor: Was sind das für Materialien, die für die Masken und Perücken verwendet werden?

Katrin Stelter: Wir benutzen größtenteils echtes, also Menschenhaar, aus Asien. Das wird zu einer deutschen Haarveredelungsfirma gesendet, wo es dann verdünnt wird, d.h. eine äußere Schicht wird abgetragen, dann werden die Haare gebleicht, und schließlich in den nötigen Farben gefärbt. Rokoko- oder Barockperücken aber werden aus Büffelhaar gefertigt.

Exclamor: Wie sieht es eigentlich mit Überstunden aus. Du sagtest vorhin, die Arbeit sei manchmal fast nicht zu schaffen. Nimmst du auch mal eine Perücke mit nach Hause?

Katrin  Stelter: Nein, das schaffen wir alles hier. Es wird vielleicht mal etwas mehr gearbeitet, aber in ruhigen Zeiten gleicht sich das wieder aus.

Exclamor: Was ist deiner Meinung nach das Schöne an deiner Arbeit, was war deine Motivation diesen Beruf zu wählen?

Katrin Stelter: Meine Motivation war, nach der Friseurlehre etwas anderes als Friseur zu werden., Deshalb habe ich mich während der Ausbildung am Theater in der Maske beworben. Ich war dann sofort durch meinen damaligen ersten Chef begeistert, der mich durch das Haus führte, alles erklärte, die Aufgaben der Maske usw., und dann wurde ich als Theaterfriseurin angestellt. Nach 8 Jahren kam der Zusammenbruch der DDR und ich konnte die Ausbildung zur Maskenbildnerin nachholen, d.h. meine Kollegen und ich haben uns ein halbes Jahr lang auf die Prüfung vorbereitet und haben dann die Ausbildung zu Maskenbildnern abgeschlossen. Aber meine Motivation ist einfach: Maskenbildnerei war der beste Weg für mich. Hier habe ich eine eigene, faszinierende Welt, eine sehr vielseitige Arbeit! Es ist wirklich sehr abwechslungsreich, ja, es ist einfach toll.

Exclamor: Danke für dieses Gespräch!

3 Gedanken zu “Die Maskenbildnerei

  1. Ja, die Möglichkeit besteht. Man kann an einer Theaterführung teilnehmen (Termine, Absprache und Anmeldung über die Theaterpädagogin Imme Heiligendorff – 0340 2511 216) – aber auch zum Tag der Offenen Tür, am 16. Juni, ist die Maske für Besucher geöffnet. Viel Vergnügen!

  2. Toller Artikel! Er macht richtig Lust, sich einmal in einer Theater-Maske umzuschauen. Kommt man da als simpler Besucher eigentlich auch rein?

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